eo-karte

Arbeitgeber und die Macht über ehemalige Arbeitnehmer

Donnerstag, November 5th, 2009 by Mischa | Privatrecht | 2 Kommentare

Durch die Kenntnisse des betriebswirtschaftlichen Studiums, kann man Zusammenhänge von Organisationen in unserer Gesellschaft näher kennen lernen und besser verstehen. Dies möchte ich an einem fiktivem Beispiel demonstrieren.

Der heutige Beitrag widme ich verschiedenen Organen in unserer Gesellschaft:

  • Arbeitnehmer
  • Ausgleichskassen
  • Arbeitslose
  • Arbeitslosenkassen
  • Armee/Militär, Zivildienst, Zivilschutz
  • Arbeitgeber

Das der Arbeitgeber hier an letzter Stelle aufgelistet ist, heisst natürlich nicht, dass er den tiefsten Stellenwert geniesst. Ganz im Gegenteil: Er besitzt eine ungeahnte Macht, von der wir später noch mehr erfahren werden.

Vorgeschichte

Angenommen jemand leistet der Armee (oder dem Zivilschutz) durch einen Wiederholungskurs (WK) für zwei Wochen dienst, so hat der Arbeitgeber Anspruch für dessen Ausfall. Verständlich, da der Arbeitnehmer weiterhin seinen monatlichen Lohn bekommt. Damit dieser Anspruch dem Arbeitgeber gewährt werden kann, bekommt jeder Dienstleistende am Ende seines Kurses vom Rechnungsführer eine sogenannte EO-Karte (oder auch Anmeldung zur Erwärbsausfallentschädigung). Diese EO-Karte übergibt der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber. Der Arbeitgeber kann wiederum mit dieser von seiner Ausgleichskasse das Geld nachträglich einfordern.

Somit haben wir die Grundlage geschaffen, die wichtigsten Organisationen für eine interessante Verkettung weiter untersuchen zu können.

Einfach, aber doch kompliziert…

Durch die obige Darstellung wird klar, dass die Vernetzung von verschiedenen Organisationen zu komplexen Gebilden führen kann. Dies wird ersichtlich, wenn wir nun eine Komponente ändern:

Der Arbeitnehmer wird arbeitslos.

Angenommen der Arbeitnehmer verfällt der Arbeitslosigkeit, so können wir verschiedene Komponenten neu untersuchen: Fast logisch erscheint nun die Schlussfolgerung, dass der Arbeitgeber keinen weiteren Anspruch auf Erwerbsausfall geltend machen kann. Er muss seinen ehemaligen Arbeitnehmer nicht mehr bezahlen.

Wie sieht es nun mit der EO-Karte aus? Der Dienstleistende Militarist oder Zivilschützer erhält diese auch weiterhin. Da der arbeitslose Dienstleistende in den seltensten Fällen die Ausgleichskasse des ehemaligen Arbeitgebers kennt, wird die EO-Anmeldung auch weiterhin dem ehemaligen Arbeitgeber geschickt. Dieser bestätigt damit, dass der Dienstleistende nicht mehr dort angestellt ist und sendet die Bescheinigung an die Ausgleichskasse. Nun erfolgt jedoch die Auszahlung nicht mehr an den Arbeitgeber sondern an den Arbeitslosen der während seiner Arbeitslosigkeit der Armee dienst geleistet hat.

“Die Crux von Justizia”

Für den Arbeitslosen bedeutet dies, dass die Arbeitslosenkasse die Taggelder kürzt, da der Anspruch von der Ausgleichskasse verrechnet wird. Es wird hier bereits klar, dass der Arbeitslose länger auf einen Teil seines Geldes warten muss.

Aber, wie lange? So lange, bis alle beteiligten Organe ihren Verpflichtungen nachgegangen sind. Die Arbeitslosenkasse kann beispielsweise die Zahlung erst dann vollführen, wenn die EO-Karte vom ehemaligen Arbeitgeber eingetroffen ist. In den meisten Fällen kann man von einem problemlosen Ablauf sprechen.

Doch was ist, wenn der ehemalige Arbeitgeber die EO-Karte nicht weiterleiten möchte?  Dies erscheint im ersten Moment kurios, kann jedoch durchaus vorkommen.

Der Arbeitgeber vollbringt eine Leistung, für die er keinerlei Entgelt bekommt: Die Pflicht des Weiterleitens und Bestätigen der EO-Anmeldung. Bei Unternehmen mit funktionierender Buchhaltung und einwandfreien Abläufen wird dies kein Problem darstellen. Jedoch bei kleineren Firmen, die sich ihrer Pflicht nicht bewusst sind oder nun mit einem Druckmittel ausgestattet werden.

Angenommen der ehemalige Arbeitgeber hegt Ansprüche gegenüber dem ehemaligen Arbeitnehmer, oder das Verhältnis zum ehemaligen Arbeitnehmer ist durch irgendwelche Faktoren gestört, wird der Unternehmer nun mit einem machtvollen Instrument ausgestattet: Die EO-Anmeldung bleibt eine Zeit lang auf dem Bürotisch des verärgerten (ehemaligen) Chef liegen. Nach einiger Zeit wird sich die Arbeitslosenkasse beim Arbeitslosen mit einem Schreiben melden das die Zustellung von Unterlagen fordert und bei nicht-Erledigung innert 3 Monaten die Arbeitslosenentschädigung erlischt. Hierbei handelt es sich um die Differenz der Entschädigung von der Arbeitslosenkasse zur Erwerbsausfallentschädigung.

Es können also gut und gerne mehrere Monate vergehen, bis die Entschädigung für die dienstleistende Person eintrifft. Der ehemalige Arbeitgeber spielt das “Zünglein an der Waage” und kann, auch wenn widerrechtlich, die EO-Karte zurückhalten und den gesamten Ablauf verzögern. Durch gesetztliche Bestimmungen muss der arbeitslose Dienstleistende die Erwärbsausfallanmeldung an den ehemaligen Arbeitgeber senden. Da bleibt nur zu hoffen, dass dieser keine Selbstjustiz verübt und das “erhaltene Druckmittel” weiterleitet.

Anhand diesem Beispiel kann das vernetzte Denken, welches im Studium der Betriebswirtschat gefordert wird, sehr gut dargestellt werden.

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